Blaue Frau • Antje Rávik Strubel

Roman

Mit Blaue Frau hat Antje Rávik Strubel einen kleinen Wälzer hingelegt. Die über 400 Seiten lesen sich nicht mal so eben weg, obwohl sie mich immer wieder in ihren Bann gezogen haben, auch wenn ich den Roman schließlich durchaus zwiegespalten beendete. Aber von vorn.

Ein halber Kontinent in einem Roman

Blaue Frau habe ich nur gelesen, da Strubel dieses Jahr den Deutschen Buchpreis dafür verliehen bekommen hat. Noch als es auf der Shortlist stand, dachte ich mir bei den verschiedenen Vorstellungsvideos, dass die Handlung des Romans doch sehr konstruiert wirkt.
Im Mittelpunkt steht Adina. Adina wurde im tschechischen Riesengebirge als »Kind der Samtenen Revolution« (S. 180) geboren. Später ging sie nach Berlin, wollte dort studieren, kam über Kontakte aber an ein Praktikum in der Uckermark, wird nun Nina genannt, weil Adina so kompliziert wäre – und wird dort von einem Mann vergewaltigt, der sich für Menschenrechte einsetzt. Adina flieht verzweifelt nach Finnland, schließt sich in eine Plattenbau-Wohnung am Rand von Helsinki ein, heißt nun Sala und versucht dort, den Missbrauch zu verarbeiten.

Die eigentliche Handlung wird immer wieder von kurzen Kapiteln unterbrochen, in der eine Ich-Erzählerin in einen philosophischen Dialog mit der blauen Frau tritt – zunächst scheinbar auf einer Meta-Ebene, aber dies löst sich später in unklaren Rätseln auf. Und auch wer die blaue Frau ist, erschließt sich mir bis zum Schluss nicht wirklich. Dennoch stören mich diese Unterbrechungen weniger als gedacht.

Feministische Einsteigerliteratur für ältere Semester

Antje Rávik Strubel hat laut Interview-Aussagen zehn Jahre an dem Buch gearbeitet – und ich frage mich, wie sich Blaue Frau vor #metoo gelesen hätte. Ein wenig überholt wirkt das Thema so für mich schon; dass Tätern immer mehr Glauben geschenkt wird als den Opfern oder dass Opfer nach sexuellem Missbrauch zutiefst verängstigt sind, sich vielleicht sogar schämen und eher nicht zur Polizei gehen ist für mich persönlich nichts Neues. Aber vielleicht ja für die Buchpreis-Jury? Sollte das eine Art kleines feministisches Statement von den Jury-Mitgliedern sein, quasi feministische Einsteigerliteratur für »Oldies«? Wenn ja, überzeugt mich die Entscheidung nicht so ganz.

Aber der erlebte Missbrauch ist nicht der einzige Schwerpunkt des Romans. Der andere ist Europa. Mit Finnland als Haupthandlungsort hat sich Strubel einen Staat zwischen Ost- und Westeuropa ausgesucht, »russische Seele, skandinavisches Design« (S. 47) der ähnlich unabhängig wie die Schweiz gilt. Immer wieder versucht sie, mit gängigen Osteuropa-Klischees aufzuräumen und zu informieren, was ihr größtenteils mit viel politischem Wissen gespickt auch äußerst interessant gelingt – aber nicht immer. Ab und zu tappt sie in Nebensätzen dann doch in kleine Klischeefallen, vor allem wenn es um Personenbeschreibungen geht.

Besser gelingt ihr die Beschreibung des Verhältnisses zwischen Ost- und Westdeutschland. Ich schätze es sehr, dass Strubel in der gleichen Stadt wie ich geboren ist und bereits einiges über Brandenburg geschrieben hat. Auf diesem Themengebiet bewegt sie sich äußerst sicher und kompetent, das beweisen mir viele Sätze, zum Beispiel »Hältst du das denn aus? Den Assimilationsdruck? Den inneren Druck, anzukommen, dich anpassen zu müssen, die Codes der Fremde so schnell wie möglich zu beherrschen? Es gibt Tausende wie dich, denen niemand gesagt hat, dass auch Deutsche, ein gutes Drittel von ihnen, als Migranten im eigenen Land leben und das seit zwanzig Jahren« (S. 184).

Zwischen gekonnt und zu gewollt

Zunächst las sich Blaue Frau ganz wundervoll. Der erste Teil nahm mich ganz in seinen Bann, die Schilderungen wechseln fließend zwischen der Gegenwart in Finnland und Adinas Kindheit in Tschechien. Doch beim Übergang zum zweiten Teil verändert sich etwas, bricht etwas. Das ist von Strubel durchaus gewollt, da sie ihre ganze Textstruktur ändert (die kurzen Kapitel, in denen die Ich-Erzählerin – eventuell die Autorin selbst? – der blauen Frau begegnet, kommen nicht mehr vor) und der Handlungsort nur noch in Berlin liegt. Strubels Erzähltechnik ist dabei dennoch weiterhin grandios. Doch die Figuren sind nun unnahbar und anstrengend, die Dialoge verstehe ich kaum. Im dritten Teil ändert sich das wieder, er erinnert mich an den ersten Teil. Der vierte Teil unterscheidet sich noch einmal ganz, hier begleite ich auch noch eine weitere Figur neben Adina und der blauen Frau, das Ende zieht sich plötzlich sehr – im Gegensatz zu den Teilen davor. Auch sind die Kapitel mit der blauen Frau nun wesentlich länger und scheinen nun nicht mehr auf einer reinen Meta-Ebene stattzufinden, sondern sich mit der Romanhandlung zu vermischen. Ich verstehe nicht, worauf Strubel abzielen möchte. Das gilt übrigens auch für Adinas »Alter Ego«: der letzte Mohikaner, der sich wie ein zweites Gesicht über ihr eigenes legt. Das habe ich so gar nicht verstanden.

Wechselnder Fokus

Ich weiß nicht richtig, worauf der Roman hinauswollte – abgesehen vom Sensibilisieren für sexuellen Missbrauch, Osteuropa, Ostdeutschland. Zumindest das erstere habe ich in feministischen Lektüren schon besser behandelt gelesen. Über Osteuropa und Ostdeutschland hat sie aber sehr Interessantes geschrieben, darüber hätte ich gern mehr gelesen. 
Am Ende lässt mich Blaue Frau zwiegespalten zurück. Irgendwie waren das zu viele große, wichtige Themen in einem Roman. Der Fokus pendelt oder schwankt, wird mal scharf, dann rückt er wieder in den Hintergrund, auch wenn Strubel auf über 400 Seiten dennoch einiges unterbringen konnte. Ich mag es, dass eine ostdeutsche Frau den Buchpreis gewonnen hat, die über wichtige Themen geschrieben hat, aber wie wäre es mit ein paar neuen, jungen Stimmen im nächsten Jahr?

Antje Rávik Strubel, Jahrgang 1974, ist eine deutsche Schriftstellerin und Übersetzerin. Für ihre Romane wurde sie bereits mit zahlreichen Preisen geehrt, Sturz der Tage in die Nacht stand im Jahr 2011 auf der Longlist des Deutschen Buchpreises. Blaue Frau erschien 2021 bei S. Fischer, umfasst 432 Seiten und wurde mit dem Deutschen Buchpreis 2021 ausgezeichnet.
Sämtliche Rechte am Cover und an den Zitaten liegen beim Verlag bzw. bei der Autorin.


Elisa | Liebt die Bücher von Dörte Hansen und Zsuzsa Bánk, krummes Gemüse und frischen Pfefferminztee. Gärtnert und tobt sich in freien Minuten kreativ aus. Macht was mit Medien.

Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat • Henry David Thoreau

Essay, Politik

Henry David Thoreau ist dem breiteren Publikum eher durch sein Buch Walden oder Leben in den Wäldern bekannt, in dem er als einer der geradlinigsten Essayisten Amerikas sein geradezu asketisches Leben im Einklang mit der Natur schildert: Thoreau zog sich zwei Jahre in eine Blockhütte seines Arbeitgebers und späteren Freundes Ralph Waldo Emerson zurück und brachte diese Erfahrungen zu Papier.
Unbekannter hingegen ist Thoreaus kurzer Essay Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat, den derzeit sicherlich viele Kritiker:innen der Corona-Schutzmaßnahmen allein vom Titel her positiv rezipieren, Thoreau damit jedoch Unrecht tun würden. Dieser Essay ist Ausdruck eines rationalen, keineswegs moralin sauren Weltbilds und bedient ein klassisches Narrativ: hier der integre, arme (wahrscheinlich linke) Kritiker und dort der übermächtige (mehrheitlich konservative) Staat.

Von der moralischen Lethargie der Regierung

Regierungen sind anfällig für Korruption und Missbrauch. »Wenn die Regierung am notwendigsten wäre, sind die Regierten am meisten allein gelassen« (S. 4). Besonders dieser Satz hat mich an die Misere erinnert, in der wir Bürger:innen dieses Landes momentan stecken. Trotz all der vollmundigen Versprechen, dass dieser Winter anders als der Winter 2020 würde, stecken wir wieder im selben Dilemma. Alle Expert:innen schlagen ›Alarmstufe Rot‹ und die Regierung schaut zu. Es ist wie ein Flugzeugabsturz, den man in Standbildern verfolgen kann. Die Standbilder sind dabei die Meldungen in den allgegenwärtigen Live-Blogs und Newstickern zur Corona-Pandemie. Ich bin kein Anarchist, der die Regierung ablehnt – ich wünsche mir eine moralischere, tatenreichere Regierung. Auch Thoreau plädiert dafür, dass jede:r bekannt geben solle, »welche Art von Regierung seinen Respekt gewinnen würde« (ebd.). Anders könne es zu keiner Besserung der Regierung kommen. 

Widerstand als Recht

Den Widerstand gegen die Regierung stilisiert Thoreau nicht kategorisch zum Prinzip, weil er die Demokratie ablehnt. Vielmehr plädiert er an die Verantwortung aller Bürger:innen, wenn die Regierung das eigene moralische Wertesystem durch ihr Handeln verletzt oder durch ihre Unfähigkeit besteche. Thoreau begründete seinen damaligen Widerstand damit, dass er den Krieg der Vereinigten Staaten Krieg gegen Mexiko ablehnte und daraus folgend die Zahlung seiner Steuern verweigerte, um den Krieg nicht mitzufinanzieren.

Die eigentlichen Bewahrer der Regierung sind in Thoreaus Augen jene, die der Regierung durch ihre Gleichgültigkeit die Treue halten. Er schreibt: »Menschen, die den Charakter und die Maßnahmen einer Regierung missbilligen, ihr aber dennoch Gefolgschaft leisten, sind unzweifelhaft ihre gewissenhaftesten Unterstützer und somit oft die größten Hindernisse einer Reform« (S. 13). Thoreau ruft daher dazu auf, das eigene Handeln und Tun stets im Lichte der Gerechtigkeit oder Ungerechtigkeit zu betrachten. Stelle man jedoch fest, dass man sich zum »Arm der Ungerechtigkeit« (S. 15) mache, so solle das eigene Leben zum Gegengewicht werden. Nur so könne die Ungerechtigkeit aufgehalten werden.
Diese Betrachtung ist übrigens einer der Gründe, warum ich seit Jahren mit meinem Beruf als Lehrer hadere. Schließlich mache ich mich durch meine Tätigkeit zum Agenten der sozialen (Aus-)Sortiermaschinerie. 

Frühindustrielle Kapitalismuskritik

Im Folgenden entwickelt Thoreau eine Morallehre, die nicht durch ihre Ausdifferenziertheit besticht: Klar, natürlich ist der reiche Schmock ein moralisch verarmtes Individuum, das qua Besitzverhältnisse gar nicht moralisch integer sein kann. Dass es jedoch Unternehmer:innen wie den deutschen Trigema-Chef Wolfgang Grupp oder den früheren Nintendo-Präsidenten Satoru Iwata gibt und gab, die in Krisenzeiten eher an den Vorstandsgehältern sparten, statt den Rotstift am Personal anzusetzen, beweist, wie falsch dieses plakative, in linken Kreisen gerne erzählte Narrativ vom ›bösen Leistungsträger‹ ist. Interessant ist jedoch die konsumkritische Dimension von Thoreaus Reichen-Schelte: »Geld beschwichtigt viele Fragen, die andernfalls Antworten verlangten, während die einzige neue Frage, die es aufwirft, die so schwere wie überflüssige Frage ist, wie es ausgegeben werden soll« (S. 15). Das Zitat sollte in jedem Wartebereich einer Bank prangen.

Und nun?

Zwar regt Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat mich an, meine Privilegien als homo oeconomicus zu hinterfragen, aber mitreißen vermag mich die etwas farblose Prosa von Thoreau nicht. Ob es am Originaltext oder an der Übersetzung liegt, wage ich nicht zu bewerten. Thoreau gelingen zwar einige Einsichten und erwähnenswerte Begriffe wie »Untertanentreue« (S. 27), die verfliegen aber schnell wieder. Für eine tiefergehende Analyse, warum dem Staat mit Widerstand begegnet werden sollte, ist der schnell konsumierte Essay vielleicht nicht das geeignete Genre. Bei der Auswahl des Genres für seine Fundamentalkritik hätte Thoreau ein präziseres Klassenbewusstsein beweisen können.

Henry David Thoreau, Jahrgang 1817, verstorben 1962, war ein US-amerikanischer Schriftsteller und Philosoph. Von seinen Zeitgenossen eher verlacht und ignoriert, avancierte Thoreau besonders durch die Rezeption durch Mahatma Gandhi zum Vorbild gegen materialistisches Denken. Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat erschien erstmals 1849 unter dem Titel Resistance to Civil Government. Die hier rezensierte Version erschien 2016 im Verlag Michael Holzinger, wurde von David Adner übersetzt und umfasst 34 Seiten.
Sämtliche Rechte am Cover und an den Zitaten liegen beim Verlag bzw. beim Herausgeber und dem Übersetzer.


Dominik | Liebt die Bücher von Roger Willemsen und Christopher Hitchens, Zartbitterschokolade und Mate. Inhaliert in freien Minuten Wikipedia-Artikel. Unterrichtet an einer kreativen Grundschule und wäre in einem anderen Leben Uhrmacher geworden.

Im Menschen muss alles herrlich sein • Sasha Marianna Salzmann

Roman

Als ich 18 Jahre alt war, bin ich in Jena gestrandet. Meine Wunsch-Studienplätze in Potsdam und Berlin hatte ich nicht bekommen, also musste eine schnelle NC-freie Alternative her: Jena. Eine Stadt, in der ich noch nie zuvor gewesen war und mit der ich bis dahin nur den NSU und einen Autobahntunnel verband.

Zuerst wohnte ich in zahlreichen Konstellationen in einer WG, später zogen Dominik und ich zusammen in unsere erste gemeinsame Wohnung in Jena. Dunkles Erdgeschoss, feuchtkalter Keller, Stromheizung und eine russische Vermieterin, die in Moskau Germanistik studiert hatte, um die Jahrtausendwende herum das Haus von der Stadt gekauft hatte und seitdem mit ihrer Familie in der obersten Etage wohnte. Ihr Mann saß im Sommer manchmal im Feinripp-Unterhemd im winzigen, von Mauern und Häusern umgebenen Innenhof und hörte russische Volksmusik.

An sie musste ich immer wieder denken, während ich Im Menschen muss alles herrlich sein las. 

Fünf Jahrzehnte, vier Frauen, zwei Generationen

In Sasha Marianna Salzmanns zweitem Roman bringt sie nicht weniger als fünf Jahrzehnte auf 384 Seiten unter. Im Mittelpunkt stehen vor allem zwei Mütter mit ihren Töchtern: Lena und Edita sowie Tatjana und Nina. Auf Lena liegt die meiste Zeit des Romans über der Fokus: Ihr gelten die umfangreich geschilderten drei Jahrzehnte der 70er, 80er und 90er Jahre, während Tatjana ihre Lebensgeschichte lediglich als Rückblick während einer Autofahrt von Berlin nach Jena erzählt.

Lena und Tatjana sind beide in der Sowjetunion aufgewachsen. Lena verbrachte jeden Sommer ihrer Kindheit bei ihrer Großmutter in Sotschi, bis sie in die Schule musste und in den Sommerferien jedes Jahr das Pionierlager auf sie wartete. Zeitnah erkrankt ihre Mutter – woran genau, erfahre ich nicht, nur, dass es etwas Neurologisches, etwas wie Migräne sei. Lena begegnet zum ersten Mal der anderen Seite der sozialistischen Sowjetunion, als der Vater der behandelnden Ärztin vor ihren Augen einen prall mit Geld gefüllten Briefumschlag übergibt. Ihr wird klar: Sie wird Medizin studieren, Fachrichtung Neurologie. Später schafft sie es nach mehreren Bestechungen und mithilfe ›Vitamin B‹ (gute Beziehungen) immerhin in die Dermatologie. Während die Sowjetunion zerfällt, untersucht sie die Geschlechtsteile reicher Russen auf Hautkrankheiten und verdient sich selbst durch ›großzügige Gaben‹ eine kleine goldene Nase. Parallel verliebt sie sich in einen Moslem aus Tschetschenien, ihre Beziehung bleibt geheim. Als er sie schwängert, lässt er sie sitzen und sie geht zusammen mit ihrer Tochter Edi und einem 10 Jahre älteren Juden nach Deutschland, genauer gesagt: nach Jena, wo sie in Lobeda-Ost, einem Plattenbauviertel, strandet und im städtischen, benachbarten Krankenhaus als Krankenschwester arbeitet. Diese (leider) klassische Migrationsgeschichte, die sich im Kleinen so schmerzhaft liest, wenn man weiß, was Lena alles durchgestanden hat für das immer erträumte Medizin-Studium, und die mich an einen Mann bei einer Mitfahrgelegenheit erinnert, der aus Syrien geflüchtet war. Dort operierte er allein in Damaskus Schwerstverletzte. Hier räumt er Regale ein.

Blick durch Sowjetaugen

Es ist erstaunlich, wie detailliert Salzmann Lenas Leben auf das Papier bringt – und damit gleichzeitig ein Bild der zerfallenen Sowjetunion zeichnet. Große Fehler im System macht sie auf der kleinen, individuellen Ebene sichtbar: der gute Cognac für den Chefarzt, das »diskrete Gespräch« mit den Leitenden der Universität. Gerade die Korruption ist in großen Teilen des Romans allgegenwärtig. Was Lena zuerst dazu bewegt hat, Medizin zu studieren – eine Ärztin zu sein, die auch ohne Bestechungen gute Arbeit leistet –, kehrt sich schließlich fast paradox um, als sie selbst Bestechungsgeld oder teure Uhren erhält, und bleibt gleichzeitig ein Schlüsselmotiv: »Lena riss hektisch am Verschluss ihrer Handtasche und zog den Umschlag mit Bargeld hervor, den sie beim überstürzten Aufbruch ohne Absprache mit Daniel aus der Schublade der Anrichte genommen hatte. Sie reichte das Geld der Ärztin. »Ich bleibe bei meiner Tochter hier auf der Station.« Die Frau im weißen Kittel starrte ihr eine Weile ins Gesicht, dann steckte sie das Kuvert ein, ohne hineinzusehen.«

Mit vielen von dem, was Salzmann über die Sowjetunion schildert, kann ich nicht gut umgehen, zu wenig weiß ich über das heutige Russland und die heutige Ukraine bzw. über die damalige UdSSR (schon erstaunlich, was man im Geschichtsunterricht lernt – und was nicht). Mir sagen die Städte nichts, in denen Lena aufwächst oder studiert, könnte aber aus dem Stehgreif mindestens zehn US-Staaten aufzählen. Der geschilderte Staat ist mir fremd. Ich verstehe den Tschechow zitierenden Chefarzt und dementsprechend auch den Titel des Romans nicht, ich verstehe die späteren jüdischen Witze von Lenas Mann nicht, ich verstehe die Meinungen zu den Tschetschenienkriegen nicht, ich verstehe nicht, wie aus den eingefleischten Kommunist:innen quasi über Nacht Christ:innen oder Muslim:innen werden konnten. Und denke mir gleichzeitig: Wie gut dieser Roman Menschen tun muss, die eine ähnliche Sozialisierung wie Salzmann haben, Menschen, die »mit ihren Sowjetaugen durch die Gardinen in die Höfe und auf die Straßen einer mittelgroßen ostdeutschen Stadt schauen«. Die in der ehemaligen Sowjetunion groß geworden und später nach Deutschland gekommen sind, eine neue Sprache lernen mussten, Prüfungen nochmal ablegen mussten, in Asylheimen leben mussten, alles hinter sich lassen und neu anfangen mussten. Wie gut es sein muss, endlich eine eigene Erzählung lesen zu können, eine Perspektive sehen zu können, die in unserer Gesellschaft nicht gesehen wird. Wie schlimm es sein muss, ein ukrainisches Nationalgericht als italienische Spezialität im Delikatessenregal zu entdecken – weil es sonst niemand kaufen würde; »bei Italien denken alle an Dolce Vita und bei Ukraine an Tschernobyl«.

So oft höre ich von den geringen Anteilen von Menschen mit Migrationsgeschichte in den neuen Bundesländern, doch suche ich nach Zahlen über Kinder von russischen oder vietnamischen Eingewanderten, bleibt Google still. Es gibt auch im Osten Migration, doch wird sie von der (westdeutschen) Mehrheitsgesellschaft noch immer nicht gesehen. Wenn ich an diese osteuropäischen Stimmen denke, tut es mir nicht mehr leid, dass ich so wenig mit Lenas Lebensrealität anfangen kann – denn das Buch ist nicht in erster Linie für mich geschrieben.

Auf der A9 zwischen Berlin und Thüringen

Auch, wenn Lenas Leben in Im Menschen muss alles herrlich sein den meisten Raum einnimmt, so sind doch die Perspektiven der nachfolgenden Generation nicht unwichtig. Nina und Edita sind zusammen groß geworden, doch während Nina in Jena versackt, ist Edita nach Berlin gezogen, entdeckt ihre Sexualität, blondiert sich die Haare, hat einen Scheißjob, träumt von Florida. Beide vereint ihr Herkunftsland, ihre Migrationsgeschichte, »diese Dauerwehen des Nie-richtig-Angekommenen« und dass sie mit ihren Müttern nicht klarkommen – so, wie Lena und Tatjana selbst mit ihren Müttern nicht klarkamen. Es fliegen die Fetzen, es zerbrechen Türen, aber alles ist gut, solange die Mütter noch schreien und keifen. Besorgniserregend wird es erst, wenn sie klein beigeben. Das fühlt auch Edita, als sie zum Geburtstag ihrer Mutter nach Jena zurückkehrt. Sie fährt zusammen mit Lenas Freundin Tatjana über die A9 zurück nach Thüringen und rechnet mit Jena ab: »Thüringen sprang ihr fett aus der Schlagzeile entgegen. Was für ein hässliches Wort, fand sie. Es gab keine Art, es melodisch auszusprechen. Mit Thüringen verband sie Schmelzkäsewettessen, Berge, die das Tal, in dem Jena lag, vor Wind und der sonstigen Realität schützten – wenn es überall sonst im Land regnete, schien hier die Sonne, und wenn es oben sonnig war, stellte sich im Tal Monsunwetter ein –, mit Thüringen verband sie die Haltestelle mit dem Namen »Paradies«, die von ICEs nicht mehr angefahren wurde.« Es triggert mich sehr; ich fühle jeden Satz, jedes Wort.

Individuelle, kollektive Erfahrungen

In der Danksagung schreibt Sasha Marianna Salzmann, der Arbeitstitel von Im Menschen muss alles herrlich sein hätte Du musst dir dich selber zumuten geheißen – und ich stelle mir die verbotene Frage nach dem autobiographischen Anteil an dem Roman, obwohl diese Frage eigentlich überflüssig ist. Denn so, wie die Erzählung von Lenas Leben das große Ganze im Kleinen abbildet, so steht die Erzählung gleichzeitig pars pro toto selbst für das große Ganze. Es sind individuelle und gleichzeitig kollektive Erfahrungen, die Sasha Marianna Salzmann hier schildert: Erfahrungen von Korruption, Unterdrückung und Unterwerfung; Erfahrungen vom Überwinden von Erfahrungen, vom Fehlen und Suchen von Worten, von Emigration, von Postemigration. Salzmann ist keine ihrer Figuren und gleichzeitig birgt sie einen ähnlichen Erfahrungshintergrund in sich, das spüre ich auf jeder Seite: Sie schreibt ohne Klischees und gleichzeitig so bunt und lebensnah, fast alltäglich, ohne dass ich das abwertend meine. Ich bin allzu gern in die Leben der vier nicht immer sympathischsten, mir oftmals fremden und dadurch dennoch umso lebensechter wirkenden Protagonistinnen eingetaucht und habe den Roman kaum aus der Hand legen können. Chapeau, Sasha Marianna Salzmann – das ist große Literatur.

Sasha Marianna Salzmann, Jahrgang 1985, ist eine deutsche Dramatiker*in, Essayist*in, Kurator*in und Autor*in. Sie ist Hausautorin am Maxim-Gorki-Theater Berlin und leitete zwei Jahre lang dessen Studiobühne Studio Я. Ihre Theaterstücke sind international bekannt; ihr Debütroman Außer sich stand 2017 auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises. Im Menschen muss alles herrlich sein erschien 2021 bei Suhrkamp, stand auf der Longlist des Deutschen Buchpreises und umfasst 384 Seiten.
Sämtliche Rechte am Cover und an den Zitaten liegen beim Verlag bzw. bei der Autorin.


Elisa | Liebt die Bücher von Dörte Hansen und Zsuzsa Bánk, krummes Gemüse und frischen Pfefferminztee. Gärtnert und tobt sich in freien Minuten kreativ aus. Macht was mit Medien.

Salonfähig • Elias Hirschl

Politik, Roman

Sebastian Kurz hat als Stereotyp des Law-and-Order-Schwiegersohns im Slim-Fit-Anzug in Österreich eine Generation schmieriger, aalglatter Politiker:innen etabliert, die sich eines Personenkults bedient, die sozialistische oder kommunistische Systeme wie Anachronismen wirken lassen. Die dabei verwendete Rhetorik ist nicht nur teilnahmslos, sondern vor allem auch gefährlich.

Elias Hirschl liefert mit Salonfähig einen brandaktuellen Roman, der das Psychogramm eines Jungpolitikers und seiner Clique in der unmittelbaren Nähe einer Galionsfigur der österreichischen neokonservativen Partei zeichnet. Trotz seiner allgegenwärtigen Überzeichnungen wurde der Roman nach seiner Veröffentlichung von der Realität eingeholt: Die Enthüllungen um die Textnachrichten der türkisen Familie werfen ein Licht auf den österreichischen, türkisen Filz der ÖVP, der diesem Buch in seiner Drastik in nichts nachsteht. Bret Easton Ellis könnte durchaus neidisch auf dieses fulminante, wahnwitzige, schwarze Buch sein.

Aalglatte Unsympathen

»Ich habe geträumt, dass mich Ärzte aufschneiden, und sie finden Milz, Leber, Nieren, Herz, Lunge und legen alles auf einen Tisch in silberne Metallschalen« (S. 7). Etwas enttäuscht war ich von dem ersten, einleitenden Satz schon. Vielmehr erwartete ich, dass der namenlose Protagonist schildert, die Ärzt:innen hätten nichts als Leere entdeckt.

Der namenlose Protagonist hält sich für einen guten Menschen, der selbstverliebt zum Friseur, zur Maniküre, ins Büro, Fitnessstudio, zur Psychotherapie und zur Rhetoriktrainerin geht und seinen Aufzug mit Slim-Fit-Anzug, Oxfords und Gehstock inklusive Pferdekopf-Knauf zum Urteil »Ich würde mich als vielschichtigen jungen Mann bezeichnen« (S. 11) destilliert. Seine Morgen-Routine gleicht der des American Psycho-Antihelden Patrick Bateman, während der er sich in seiner 120-Quadratmeter-Wiener-Altbauwohnung sechs verschiedene Haarprodukte ins Haar schmiert, um später Wachs aufzutragen. Unsympathisch. Dieser Ersteindruck des Antihelden von Salonfähig bessert sich auch nicht im Laufe der Lektüre.

ÖVP-Kopien und Anstandsverwahrlosungsrhetorik

Der namenlose Protagonist und seine – intellektuell betrachtet – Energiesparlampen-Freunde folgen willenlos dem Parteichef der Neuen Mitte Österreichs, der fiktionalen neokonservativen Partei in Salonfähig, die eine so große Ähnlichkeit mit der ÖVP aufweist, dass es einen gruselt, bis ich merke: Moment mal, in der Realität Österreichs ist das ja genauso! Der Parteichef Julius Varga aus der Mitte der Anhängerschaft der Jungen Mitte (die Jugendorganisation der ÖVP-Kopie) ist das absolute Idol, fast schon der gottgewordene Mensch für den namenlosen Antihelden, den ich irgendwann während der Lektüre im Kopf nur noch Julius II nannte. Varga wird während des Verlaufs der Handlung mit seiner Partei bei der Wahl mit gerade einmal 29 Jahren zum Bundeskanzler Österreichs gewählt.

Innerhalb der Jugendorganisation kommt es zu wahrhaften Exzessen des ›Leersprechs‹ des Kapitalismus. So veranstaltet die Junge Mitte mit der ihr nahestehenden Schülervertretung eine schwarz-weiß-Mottoparty, die sie auf Instagram mit folgenden Worten bewirbt: »Schwarz/weiß steht in diesem Sinne selbstverständlich sowohl für Inklusion, gelungene Integration, für differenziertes Denken und eine schicke Casual/Bowtie-Kombination in ebenjenen Farben, die niemals aus der Mode kommen« (S. 26). Würg! Immer, wenn ich während der Lektüre dachte, dass Hirschl mir endlich mal eine Pause gönnen könnte, prügelte er mit seiner Wohlstands- und Anstandsverwahrlosungsrhetorik weiter auf mich ein.

Porträt eines Psychopathen

Julius II schreibt jeden Morgen nach dem Aufwachen in ein in Leder gebundenes Notizbuch, was er geträumt hat, um auf diese Weise seine Träume »kreieren, formen, steuern« (S. 30) zu können und selbst zu bestimmen, was er träumen möchte. Die Empfehlung hat er von seiner Rhetoriktrainerin. Begleitet von Fitness- und Schönheitswahn ergibt sich so nach und nach das Bild einer Person, die sinnbildlich zwischen Ego und Eso nicht mehr zu unterscheiden vermag. So verbindet Julius II seine Gutmütigkeit gegenüber einem Bettler, dem er regelmäßig zwanzig Cent zusteckt, mit Sachertorte: Er belohnt sich als ›Verstärker‹ nach seiner guten Tat mit Sachertorte, sodass der Anblick des Bettlers »bereits ein Lächeln der Vorfreude« (S. 35) in sein Gesicht zaubert. Das ist derart zynisch, dass es schon fast unterhaltend ist.

Julius II macht nichts, dass ihm das Prädikat ›unauffällig‹ verleihen könnte. Stets verunsichert übt er im Auto sein roboterhaftes Lächeln, reflektiert jede mimische Äußerung und kasteit sich in inneren Monologen selbst, wenn eine Blüte der Pflanzen in Julius Vargas Wohnung abgestorben ist, die er für diesen pflegt. Die Therapeutenbesuche, die Hirschl schildert, ergeben das Bild eines in der Kindheit schwer verunsicherten Einzelgängers, der – keiner eigenen Meinung oder Eigenschaften fähig – seine Persönlichkeit ausgelöscht hat, eine leere Folie geworden ist und die Rhetorik, den Kleidungsstil, das gesamte Auftreten seines persönlichen Sonnengottes, Julius Varga, chamäleonhaft kopiert hat: »Kurz erschrecke ich, als ich auf dem Weg nach unten glaube, Julius zu sehen, dann jedoch feststelle, dass es nur ein mannshoher Wandspiegel zu meiner Linken ist. Ich lächle mir zufrieden zu und betrete das eigentliche Lokal« (S. 110). Die unter der Oberfläche brodelnde konservative Radikalität mündet am Ende in einer Zuspitzung, die Patrick Bateman daneben wie einen Milchbubi wirken lässt.

Dauersalven aus der literarischen Überspitzungspatronentrommel

Die Einzeiler sind definitiv Hirschls Stärke. Dort, wo er sich knapp hält, ist er grandios. Sätze wie »Ich lache wie gut verheiltes Narbengewebe« (S. 14) oder »Das Set endete schließlich mit einem durchaus befriedigen Fuckclose in meinem Bett« (S. 66) sind wahnwitzig, pointiert und treffen sehr wohl einen ironischen Nerv bei mir, während die ausschweifenden Schilderungen häufig derart überzeichnet sind und ab der zweiten Hälfte des Buches mich eher mürbe machen. Die definitiv absurdeste Szene ist jene, als Julius II und sein Parteikollege Karl Voigt auf einem Konzert, das sie ›ironisch‹ besuchen, Linksradikale mit Dom-Pérignon-Flaschen verprügeln und nebenbei in Gesprächsfetzen eine popkulturelle Analyse der dort gespielten Musik betreiben. Abschließend kleben sie den blaugeprügelten Irokesen Wahlspruchsticker der Jungen Mitte auf die Augen.

Der Witz und die Komik in den Szenen kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich Hirschl ironisch zum Nicolas Cage der österreichischen Literatur überhöht: Beide beherrschen die Kunst des overacting meisterhaft. Hirschl bedient sich einer Prosa, die sich in der zynischen Zuspitzung immer weiter, höher zu schaukeln versucht und damit dem leeren Heilsversprechen des Höher-Weiter-Mantras des Kapitalismus in die Falle geht, das Hirschl eigentlich zu persiflieren versucht. Zwar gibt es immer wieder Momente, die das kippende Boot des Leseeindrucks zu retten vermögen, aber insgesamt schimmert das ›Zuviel‹ von Hirschls Prosa durch.

Mehr Schein als Sein

»Meine Frisur sitzt, und ich habe ein reales Innenleben. Ich bin salonfähig. Mein Hugo-Boss-Anzug, slim fit, betont beiderseits meine schlanke Figur und den Ansatz an wohltrainierter Muskelmasse. Ich bin auf dem Höhepunkt meiner körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit« (S. 245). Fast auf jeder Seite musste ich mich angesichts dieser autoerotischen Schilderungen schütteln. Salonfähig ist ein zugespitztes, wahnwitziges, zynisches Buch fast ohne sonderliche intellektuelle Fallhöhe, weil es den Gestus und die Leere seiner Akteur:innen hervorragend und damit eigentlich gar nicht zugespitzt transportiert, weil diese Kaste der alt- und neureichen Konservativen exakt so wie geschildert existiert, sie um den Ex-Kanzler Sebastian Kurz genau diesen Führerkult etabliert haben und vermutlich in Ansätzen auch so denken und sprechen wie die Figuren Hirschls.

In Salonfähig hat Hirschl das Bild einer brandgefährlichen Radikalisierung der Neokonservativen gezeichnet, das Magenschmerzen bereitet, weil nunmehr die Agitation gegen Minderheiten auch aus der (angeblichen) ›Mitte der Gesellschaft‹ ausgeht. Menschenhass und der leere Erfolgssprech des Kapitalismus sind salonfähiger geworden, besonders in den abgeschlossenen Gruppen unserer Wohlstandsgesellschaften.

Elias Hirschl, Jahrgang 1994, ist ein österreichischer Autor, Poetry-Slammer und Musiker. Er gewann 2014 die österreichischen Poetry-Slam-Meisterschaften und ist neben Lisa Eckhart einer der bekanntesten österreichischen Poetry Slammer. Salonfähig erschien 2021 im Paul Zsolnay Verlag und umfasst 254 Seiten. 
Sämtliche Rechte am Cover und an den Zitaten liegen beim Verlag bzw. bei dem Autor.


Dominik | Liebt die Bücher von Roger Willemsen und Christopher Hitchens, Zartbitterschokolade und Mate. Inhaliert in freien Minuten Wikipedia-Artikel. Unterrichtet an einer kreativen Grundschule und wäre in einem anderen Leben Uhrmacher geworden.

Utopien für Realisten • Rutger Bregman

Essay, Politik

Die Utopie hätte ich vor der Lektüre eher in Reden von Janine Wissler oder schlecht besuchten Germanistik-Seminaren zur Ästhetik der Utopien der Frühen Neuzeit gesucht, aber nicht im Buch eines niederländischen, zumal sehr jungen Historikers. Sowohl Roger Willemsen in Wer wir waren als auch Philipp Blom in Was auf dem Spiel steht würden die Relevanz der Utopie jedoch mit kulturpessimistischem Duktus verneinen – schließlich sind beide der Überzeugung, dass der Kapitalismus an seine Grenzen geraten sei und die Menschen aus Ermangelung an konsistenten, alternativen Gesellschaftsentwürfen aufgehört hätten, von einer besseren Zukunft zu träumen.

Wir haben die Utopie beerdigt

Hier setzt Bregman in Utopien für Realisten. Die Zeit ist reif für die 15-Stunden-Woche, offene Grenzen und das bedingungslose Grundeinkommen einleitend an. Er überschüttet mich mit Zahlen, Grafiken und Gleichnisse etwa zur Entwicklung des durchschnittlichen BIP oder der Gesundheitsversorgung. Dabei vergleicht er verschiedene Jahrhunderte mit unserer jetzigen Zeit und kommt zum Schluss, dass wir das ›Schlaraffenland‹, von dem vorige Generationen träumten, schon erreicht hätten. Genau darin läge aber auch das Problem unseres Gesellschaftsmodells: »Der alte Traum vom Land des Überflüsses hat seinen Reiz verloren« (S. 13). Statt den Wohlstand zu nutzen, in dem wir leben, und ihn mit Sinn zu füllen, hätten wir die Utopie begraben und uns für mehr Konsum und/oder mehr Arbeit entschieden. Bregman verfolgt mit dem vorliegenden Buch deshalb auch nicht den Anspruch, Vorhersagen für die Zukunft zu liefern, sondern die Tür zu dieser Zukunft – wie auch immer sie aussehen mag –, (wieder) aufzustoßen. 

Reflektierte Begriffsgeschichte

Bregman ist jedoch bewusst, welchen Drahtseilakt er mit seinem Plädoyer hinlegt, schließlich können Utopien, die als gute Idee anfingen, in einer Dystopie enden – wie beispielsweise die verschiedenen Versuche des letzten Jahrhunderts, dem Raubtierkapitalismus sozialistische bzw. kommunistische Gesellschaftsentwürfe entgegenzusetzen. Bregman hält daher fest: »Utopien liefern keine fertigen Antworten, geschweige denn endgültige Lösungen. Aber sie werfen die richtigen Fragen auf« (S. 21). Auch ist Bregmans Analyse korrekt, dass der Liberalismus dem Individuum mehr Freiheiten einräumte, es aber gleichzeitig wieder in Geiselhaft nahm, weil der Fortschrittsgedanke des Liberalismus sich in eine minder besagt totalitäre Ausbeutungsideologie entwickelt hätte, die nur die Besserung der wirtschaftlichen Kennzahlen, nicht aber das Individuum im humanistischen Geiste wertschätzt.

Bregman stilisiert unsere Zeit zur kalten ›Technokratie‹ und stellt ihr die Utopie entgegen. Die Zeit bräuchte daher, wollten wir unseren Wohlstand tatsächlich sinnvoll nutzen, »alternative Horizonte, die unsere Phantasie anregen« (S. 28). Ab da begann Utopien für Realisten. Die Zeit ist reif für die 15-Stunden-Woche, offene Grenzen und das bedingungslose Grundeinkommen,noch interessanter zu werden.

Ein Ritt auf der linken Klinge

Bregman begibt sich daraufhin auf eine gedankliche Reise zum bedingungslosen Grundeinkommen, dem Ende der Armut, einer Alternative zum BIP sowie alternativen Arbeitsweltentwürfen. Bei letzteren nimmt er Bezug auf die These des im letzten Jahr verstorbenen Kulturanthropologen David Graeber: dass viele Menschen derzeit in sogenannten Bullshit-Jobs arbeiten würden, die sie unglücklich machen.

Leider bedient sich Bregman dabei durchweg einer plakativen Rhetorik, die in Analysen wie »Seit mehr als dreißig Jahren erhöht das Wirtschaftswachstum kaum noch unseren Wohlstand und in einigen Fällen sinkt er sogar« (S. 110) gipfeln. Diese Analysen sind leicht verdaulich, weil sie zunächst schwarze Tinte auf Papier sind und noch nicht zu aktivem Handeln aufrufen. Den Versuch, den Autopionier und Großkapitalisten Henry Ford aber als linken Utopisten darzustellen, weil er als erster Unternehmer die Fünf-Tage-Woche einführte, finde ich dann doch etwas lächerlich. Die ideologische Färbung steht Bregmans Buch dennoch gut.

Rhetorische Schwäche des linken Spektrums

Die guten Ansätze, die Bregman schildert – wie beispielsweise das bedingungslose Grundeinkommen – könnten jederzeit eingeführt werden, sind sie doch sowohl qualitativ als auch quantitativ durch soziologische Experimente und Studien verifiziert. Das Problem sei vielmehr, so analysiert er hervorragend, dass Rechte und neoliberale Ökonom:innen den Diskurs bestimmen und durch ihre mediale Omnipräsenz das Meinungsfenster zu ihren Gunsten weiten. Linke Stimmen fehlen dort, obwohl die Zeit nach linken Gegenentwürfen geradezu schreit. Das Phänomen gießt Bregman direkt in einen schönen Begriff: Er spricht von Underdog-Sozialist:innen. Diese »sehen ihre einzige Mission darin, die Gegenseite zu kontrollieren und zu bremsen. Sie kämpfen gegen Privatisierungen, gegen das Establishment, gegen die Sparpolitik. Sie sind gegen so vieles, dass man sich fragt, ob es irgendetwas gibt, das die Underdog-Sozialisten befürworten« (S. 253). Nicht, dass sie falsch lägen, sei das Problem, sondern dass sie »langweilig wie eine Türklinke« (ebd.) seien. Die politische Linke hätte keine Geschichte, mit der sie ihre Ideen vermitteln kann und bediene sich einer Sprache mit Begriffen wie Postkapitalismus und Intersektionalität, die nach Bücherstaub und akademischem Elfenbeinturm klingt.
Die Analyse ist zwar flach, aber treffend. Wer Millionen Menschen eine gute Zukunft sichern möchte, muss dafür auch die dementsprechende, verständliche Sprache finden. Daran könnten sich hierzulande SPD, Grüne und Linke gerne orientieren. 

Utopien für Realisten. Die Zeit ist reif für die 15-Stunden-Woche, offene Grenzen und das bedingungslose Grundeinkommen las sich zunächst so wie eines jener Sachbücher, die regelmäßig auf den Bestsellerlisten landen und das ein komplexes oder aktuelles Thema durch einfach Analysen zu simplifizieren versucht. Tendenziell war dies hier auch der Fall, jedoch kehrte Bregman meiner Wahrnehmung nach immer dann wieder auf den Pfad der Sachlichkeit ab, wenn er kurz zuvor noch in den Abgrund der Plakativität geblickt hatte. Eine gelungene, profunde Diskussion verschiedener Gesellschaftsentwürfe, die gerne präsenter in den Diskurs rutschen können. Hoffentlich werden diese eines Tages Realität – gerade das bedingungslose Grundeinkommen kann gerne kommen. 

Rutger Bregman, Jahrgang 1988, ist ein niederländischer Autor, Aktivist und Historiker. Er war bereits zwei Mal für den European Press Prize nominiert und nahm am Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums 2019 in Davos teil. Utopien für Realisten. Die Zeit ist reif für die 15-Stunden-Woche, offene Grenzen und das bedingungslose Grundeinkommen erschien erstmals 2014 auf Niederländisch. Die hier rezensierte Version erschien 2017 im Rowohlt Taschenbuch Verlag, wurde von Stephan Gebauer übersetzt und umfasst 302 Seiten.
Sämtliche Rechte am Cover und an den Zitaten liegen beim Verlag bzw. bei dem Autor / dem Übersetzer.


Dominik | Liebt die Bücher von Roger Willemsen und Christopher Hitchens, Zartbitterschokolade und Mate. Inhaliert in freien Minuten Wikipedia-Artikel. Unterrichtet an einer kreativen Grundschule und wäre in einem anderen Leben Uhrmacher geworden.

Soll & Habitus • Daniela Dröscher & Paula Fürstenberg

Essay, Sonstiges

Ich glaube, man ist ein anderer Mensch, man hat einen vollkommen anderen Blick auf das Leben, wenn man mit wenig Geld aufwächst bzw. akuten Geldmangel erlebt hat. Wenn das Leben aus dem Kalkulieren von Essen, Miete, Versicherung, Kleidung besteht – Monat für Monat, immer wieder. Ich glaube, das prägt Menschen ihr Leben lang. In Soll & Habitus scheinen mir 15 Autor:innen zuzustimmen.

Zwischen Scham und Klasse

Soll & Habitus ist ein schmales Heftchen, es umfasst lediglich 21 Seiten und macht von außen nicht wirklich viel her. Umso mehr hat mich das Innere überwältigt. Autor:innen wie Shida Bazyar, Christian Dittloff, Mareice Kasier, Şeyda Kurt und Deniz Utlu schreiben darüber, wie es ist, ohne Geld aufzuwachsen oder als Erwachsene ohne Geld klarkommen zu müssen – aber auch darüber, wie es ist, ›es zu schaffen‹ oder sich etwas zu leisten. Viele schauen aus ihrer heutigen Perspektive zurück und schämen sich: Scham spielt in Soll & Habitus eine riesige Rolle. »Erst die Scham darüber, arm zu sein, dann die Scham darüber, nicht mehr arm zu sein, schließlich die Scham darüber, sich nicht mehr zu schämen« (S. 4, Sahar Rahimi). Dazu passend begegnet mir bereits in der Einleitung der Begriff Klassenübergänger:in, der sich ebenfalls wie ein roter Faden durch die Ausgabe zieht.

Tiefsitzende Traumata

Es gibt kaum eine Seite in Soll & Habitus, auf der ich keinen Absatz unterstrichen habe. So oft finde ich mich wieder, so oft werden ungute Erinnerungen geweckt: an Monate, in denen wir nicht wussten, wie wir die Miete bezahlen können. An Einkäufe, bei denen man sich die Tränen herunterschlucken muss, weil es wieder nur Milchreis geben kann. Noch heute verfalle ich in eine kleine Krise, wenn am Monatsende kaum noch Geld da ist – so tief sitzt dieses Trauma, kein Geld zu haben, obwohl wir mittlerweile zwei Einkommen (unter dem Bundesdurchschnitt) haben. »wie entspannt die welt ist, wenn man geld in der tasche hat, wie frei die gedanken sind, wenn man geld in der tasche hat« (S. 4, Özlem Özgül Dündar).

Brechen wir die Tabus!

Seit kurzem bin ich Kleinunternehmerin – ein Wort, das in meinen Ohren immer noch äußerst absurd klingt. Seit Jahren erledige ich für Bekannte kleine Gefälligkeiten im Grafik- oder Webdesign-Bereich – und es hat ebenfalls Jahre gedauert, bis ich lernte, meine ›Arbeitskraft‹ angemessen in Geld umzurechnen. Auch das gießen die Autor:innen in Soll & Habitus in Worte, wie so vieles, von dem ich nicht wusste, dass auch andere so empfinden. Geld ist so oft der sprichwörtliche Elefant im Raum und es tut gut, dass all diese Probleme rund um das Geld endlich festgehalten und in die Öffentlichkeit gelassen werden.

Mit dem Aufwachsen mit Geld gehen auch gewisse Codes einher. Ein Beitrag in Soll & Habitus, der mich diesbezüglich ganz besonders angesprochen hat, stammt von Mareice Kaiser und ist in einem Restaurant verortet: »Wohin lege ich die Karte, wie viel Trinkgeld gebe ich, wie geht das?, denke ich. Ich kenne den Code, aber ich kenne nicht die Codes« (S. 8). Bis heute machen wir keinen Urlaub in Hotels und betreten keine noblen Restaurants, bis heute fühle ich mich in Städten mit relativ reichen Menschen unglaublich unwohl. Ich kenne nicht die Codes.

Perspektivwechsel und Optionen

Apropos Urlaub: »Ich kann schlecht in den Urlaub fahren. Irgendetwas ist da bei mir blockiert« (S. 12, Verena Brakonier). Erwähnte ich, wie viel ich mir in dem kleinen Heft angestrichen habe? So oft hatte ich das Gefühl, meine Gefühle gedruckt zu sehen. Und fragte mich gleichzeitig, wie wohl Menschen Soll & Habitus lesen würden, für die Geld eine Selbstverständlichkeit ist. Die nie Mangel erlebt haben und ihn nun als Titelthema in der ZEIT erklärt bekommen müssen. Was wäre man dann für ein Mensch? Wäre man grundsätzlich glücklicher? Oder ist das zu plakativ gedacht und man hätte dann ganz andere Probleme? Aber könnten die jemals auch nur so elementar sein wie Geldmangel in einem gesellschaftlichen System, das auf Geld beruht, in dem ohne Geld nichts funktioniert? Es ist ja nicht so, als ob man eine Option hätte; dass man sagen könnte, mir ist das Geld egal, ich brauche kein Geld. Nein, wir alle brauchen immer stets und ständig Geld, denn Arbeits- oder Obdachlosigkeit sind keine würdevolle Alternative. Aber das bedingungslose Grundeinkommen, das wäre eine. Wie sich Soll & Habitus wohl lesen würde, wenn diese Utopie Realität wäre?

Paula Fürstenberg, Jahrgang 1987, studierte am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel und wurde unter anderem mit dem Hattinger Förderpreis für Junge Literatur und dem Arbeitsstipendium des Landes Brandenburg ausgezeichnet. Daniela Dröscher, Jahrgang 1977, studierte Germanistik, Anglistik und Philosophie in Trier und London. Sie wurde mit verschiedenen Förderpreisen und Stipendien ausgezeichnet. Soll & Habitus ist 2021 bei SUKULTUR erschienen, umfasst 21 Seiten und beinhaltet Beiträge von Shida Bazyar, Ewe Benbenek, Verena Brakonier, Christian Dittloff, Özlem Özgül Dündar, Verena Güntner, Mareice Kaiser, Şeyda Kurt, Aurélie Maurin, Maria Milisavljević, Jacinta Nandi, Hendrik Quast, Sahar Rahimi, Lynn Takeo Musiol und Deniz Utlu. Auf der dazugehörigen Website stehen alle Beiträge auf mehreren Sprachen kostenlos zur Verfügung.
Sämtliche Rechte am Cover und an den Zitaten liegen beim Verlag bzw. bei den Herausgeberinnen / Autor:innen.


Elisa | Liebt die Bücher von Dörte Hansen und Zsuzsa Bánk, krummes Gemüse und frischen Pfefferminztee. Gärtnert und tobt sich in freien Minuten kreativ aus. Macht was mit Medien.

Autumn • Ali Smith

Roman

Ich mag englische Buchausgaben sehr. Zuerst sehen sie wunderschön neu aus, dann trägt man sie einige Wochen lang zwischen Schlafzimmer, Küche und Wohnzimmer hin und her, transportiert sie vielleicht sogar noch im Rucksack und am Ende sehen sie aus, als hätten sie bereits ein ganzes Leben hinter sich gebracht. In etwa dieselbe Zeit habe ich gebraucht, um Ali Smiths Autumn zu lesen.

Der Auftakt eines Quartetts

Autumn ist der erste Teil des sogenannten Jahreszeitenquartetts von Ali Smith – alle vier Teile sind nach den jeweiligen Jahreszeiten benannt und ich freue mich schon jetzt darauf, die restlichen Teile passend zu den Jahreszeiten innerhalb der nächsten Monate zu lesen, auch wenn zumindest im Auftakt nicht allzu viele NatureWriting-Passagen auftauchen, die mich quasi dazu ›zwingen‹ würden, es ausgerechnet im Herbst lesen zu müssen. Long story short: Man kann das Quartett sicherlich auch unabhängig von den Jahreszeiten lesen.

Im Mittelpunkt des Romans stehen Elisabeth und Daniel. Elisabeth ist Mitte 30 und die Protagonistin von Autumn. Daniel ist 101 Jahre alt und im Altenheim. Als Elisabeth noch ein Kind war, war er ihr Nachbar – ein besonderer Nachbar. So ganz finde ich während des Lesens nicht heraus, was er beruflich gemacht hat, aber er hat Songs geschrieben und viel mit Künstler:innen zu tun gehabt.

Viele Sprünge, viele Ebenen, viele lose Enden

In Autumn springe ich immer wieder zwischen den Zeitebenen hin und her – manchmal angekündigt, oft nicht. Mal reise ich zurück in Kindheitserinnerungen von Elisabeth, die oft ihre Mutter oder Daniel betreffen, mal begleite ich die Gegenwarts-Elisabeth bei ihrem Besuch im Bürgeramt bei dem Versuch, einen neuen Reisepass zu beantragen. Ebenfalls spielt die Zeitebene ihrer Dissertation eine wichtige Rolle – und der Brexit.

Vieles kommt in dem Roman zusammen, vieles verstehe ich nicht so richtig, allen voran die Handlung rundum Elisabeths Dissertation. Sie hat Kunstgeschichte studiert und entdeckt kurz vor ihrer Dissertation einen Bildband über Englands einzige Pop-Art-Künstlerin der 1960er Jahre. Sie wirft ihr eigentliches Dissertationsthema über Bord, um über sie schreiben zu können. Unterbrochen durch viele Erinnerungen kommt ein wilder Mix aus Erinnerungen ihrer Mutter, der vergangenen Liebesgeschichten von Daniel und Parallelen zu Marilyn Monroe dazu – und ich komme nicht mehr hinterher. Die Zeitsprünge machen das Buch sehr schwer verständlich, noch dazu erschwert es mir Ali Smiths gekonnter, aber auch schwieriger Stil, Kohärenz aufbauen zu können – gerade bei dem Thema rund um die Künstlerin, wo der Mix aus historischen Erzählungen, künstlerischen Vergleichen, Geschichten um Schauspielerinnen und persönlichen Erfahrungen einfach zu kompliziert und wirr wird.

Wenn der Nachbar zum Opa wird

Wesentlich verständlicher ist die Handlung auf der gegenwärtigen Zeitebene: Elisabeth liest dem schlafenden Daniel im Altersheim regelmäßig etwas vor und führt so ihre tiefe Beziehung fort, die schließlich so intensiv wird, dass sie in einem Großvater-Enkelin-Verhältnis mündet. Ausgehend von dieser gegenwärtigen Ebene tauche ich immer wieder in Daniels unverständliche Träume ein, aber auch in die Anfänge ihrer Beziehung. Ich bekomme einen Schulaufsatz zu lesen, den Elisabeth über ihren neuen Nachbarn schreiben soll und bin dabei, wie sich beide kennenlernen. Vor allem habe ich genossen, davon zu lesen, wie Daniel schnell eine Mentorenrolle gegenüber Elisabeth einnimmt: Bei Besuchen fragt er sie stets als erstes, was sie gerade liest. »Does it look like I’m reading anything? she said. Always be reading something, he said. Even when we’re not physically reading. How else will we read the world? Think of it as a constant. A constant what? Elisabeth said. A constant constancy, Daniel said« (S. 68). Mindestens genauso wortgewandt lehrt er sie, dass Sprache wie Mohn ist: »It just takes something to churn the earth round them up, and when it does up come the sleeping words, bright red, fresh, blowing about. Then the seedheads rattle, the seeds fall out« (S. 69).

Perfekte Fleabag’sche Dialoge 

Gerade in Bezug auf Dialoge wird die besondere literarische Stärke von Ali Smith deutlich: Sie lässt Figuren fasst slapstick-artig miteinander agieren und denkt kommunikative Missverständnisse humorvoll mit. Dieser Stil erinnert mich extrem an die Serie Fleabag – und ist auch der Grund dafür, warum ich mir Autumn überhaupt gekauft habe. Auf der Rückseite von The Bass Rock steht nämlich folgende Pressestimme: »Like Ali Smith’s novels crossed with the TV series Fleabag«. Ich bin ein großer Fan der Serie von Phoebe Waller-Bridge, also ist es kaum verwunderlich, warum eine einzelne Pressestimme mich dazu bringen konnte, eine neue Buchreihe anzufangen.

Ein Musterbeispiel für Smiths gekonnte Dialoge ist das Gespräch zu Beginn des Romans im Bürgeramt, als sie versucht, einen neuen Reisepass zu beantragen: »He shakes his head. What? Elisabeth says. No, I think it’s all right, he says. The hair. It has to be completely clear of your eyes. It is completely clear of my eyes, Elisabeth says. It’s nowhere near my eyes. It also can’t be anywhere near your face, the man says. It’s on my head, Elisabeth says. That’s where it grows. And my face is also attached to my head« (S. 23). Schön ist auch die Stelle, als Elisabeth im Altersheim bei einem Besuch von Daniel einschläft und eine Pflegerin den Raum betritt: »Having a bit of time out? the care assistant says. All right for some, huh? Some of us have to work for a living, she says. She winks in the general direction of Elisabeth« (S. 41). Oder die Stelle, als auf ein GO HOME-Graffiti WE ARE ALREADY HOME THANK YOU geantwortet wird. Es sind immer wieder kleine sassy Passagen, die Autumn auflockern und zu einem grandiosen Lesevergnügen machen.

Der Brexit liegt in der Luft

Weitaus ernsthafter sind die Kapitel, in denen Smith den im Sommer und Herbst 2016 überall in der Luft schwebenden Brexit thematisiert. Da wird Smith fast poetisch: »All across the country, people felt it was the wrong thing. All across the country, people felt it was the right thing. All across the country, people felt hey’d really lost. All across the country, people felt they’d really won. All across the country, people felt they’d done the right thing and other people had done the wrong thing« (S. 59). Aber besonders stark fand ich den Ausbruch von Elisabeths Mutter auf einem Spaziergang. Was mit einem Schlagabtausch in gewohnten Fleabag-Stil beginnt (»I’m tired, she says. It’s only two miles, Elisabeth says« (S. 56)), endet mit einem zweiseitigen Monolog ihrer Mutter über all das, worüber sie tired ist: die Nachrichten, Wut, Egoismus, Gewalt, Lügen, die Regierung, Angst, fehlende Worte – um nur eine Auswahl zu nennen. Es sind diese politischen Passagen, an denen Autumn für mich ganz besonders glänzt und von denen ich mir mehr gewünscht hätte, schließlich wird auch im Klappentext geschrieben: »The United Kingdom is in pieces, divided by a historic once-in-a-generation summer.« Dafür waren es dann doch zu viel Erinnerungen an jugendliche Auseinandersetzungen mit ihrer Mutter, Kunstlektionen von Daniel und Erkundungen bezüglich der Pop-Art-Künstlerin.

Ich bin zwiegespalten: Einerseits macht Ali Smiths Schreibstil den Roman überaus unterhaltsam, andererseits an anderen Stellen aber auch unverständlich. Einige Passagen sind wundervoll lehrreich, andere lassen jeden roten Faden vermissen. Smith springt nicht nur zwischen Zeit-, sondern auch zwischen Handlungsebenen hin und her, was mich immer wieder verwirrt und dazu geführt hat, dass ich für das gar nicht allzu umfangreiche Buch doch länger gebraucht habe als erwartet. Und dennoch möchte ich auch die folgenden drei Teile lesen – in der geheimen Hoffnung, dass Smith mit jedem Teil ein wenig weiter über sich hinaus wächst. Denn Potenzial, das hat die Idee des Jahreszeitenquartetts definitiv.

Ali Smith, Jahrgang 1962, ist eine britische Schriftstellerin. Nach ihrem Studium arbeitete sie an der Universität Strathclyde als Lecturer. Aufgrund ihrer Erkrankung am Chronischen Erschöpfungssyndrom gab sie ihren Beruf als Literaturdozentin jedoch auf und begann zu schreiben. 2015 wurde sie zum Commander of the Order of the British Empire ernannt. Sie stand bereits drei Mal auf der Shortlist für den Booker Prize, unter anderem für Autumn. Autumn erschien erstmals 2016 bei Hamish Hamilton. Meine Ausgabe wurde 2017 bei Penguin Books veröffentlicht und umfasst 264 Seiten.
Sämtliche Rechte am Cover und an den Zitaten liegen beim Verlag bzw. bei der Autorin.


Elisa | Liebt die Bücher von Dörte Hansen und Zsuzsa Bánk, krummes Gemüse und frischen Pfefferminztee. Gärtnert und tobt sich in freien Minuten kreativ aus. Macht was mit Medien.

Stolz der Toten • Kenzaburō Ōe

Roman

Auf meiner Reise durch die Welt der japanischen Literatur stieß ich vor kurzem auf den Namen Ōe. Der Literaturnobelpreisträger war mir ebenso wie Yukio Mishima zunächst unbekannt – und ebenso wie bei Mishima sollte ich in Kenzaburō Ōes Stolz der Toten auf ungewöhnliche Betrachtungen stoßen, die sich auf erschreckend körperliche, geradezu kreatürliche Weise mit der Würde des Menschen beschäftigen.

Nur ein Studentenjob

Ein namenloser Philosophiestudent, eine namenlose Anglistikstudentin und ein namenloser Verwalter der Leichenaufbewahrung treffen sich an einem bewölkten Wintermorgen im Leichenkeller der medizinischen Fakultät. Die Ersteren haben einen Job angenommen, um ihr dünnes Studierendenbudget aufzupeppen: Sie sollen die alten Leichen aus dem Tank mit der abgestandenen Flüssigkeit in einen neuen Tank mit frischer Flüssigkeit umbetten. Für diese (sicherlich) ekelerregende Tätigkeit findet Ōe direkt eine passende Allegorie; über den Nebel eines Wintermorgens heißt es: »Der Nebel dringt in den Mund wie ein Tier, er bläht sich auf und reizt zum Husten oder Lachen« (S. 14).

An les- und spürbarer Morbidität weiß Ōe dies noch zu steigern. So verwickelt der Verwalter den Protagonisten der Erzählung, den Philosophiestudenten, in ein Gespräch, an dessen Ende er dem Studenten verspricht, sollte er auch einmal in einem solchen Tank landen, würde er ihn »auf den Grund zu schieben« (S. 20). Denn die ›alten‹ Leichen am Grund werden seltener für Forschungszwecke verwendet.

Verdinglichung und Kriegsgespräche

Ōe lässt den Philosophiestudenten Dinge denken, die den Umgang mit dem Tod erträglicher machen. So werden die harten und festen Körper in der Wanne vergegenständlicht, um den Tod erträglicher zu machen, den Ekel einzudämmen. Dass dies aber auch einer anderen Zielsetzung folgt, wird erst später klar: Ōe ist seit jeher ein eher linker Schriftsteller, der den Nationalismus der Liberaldemokratischen Partei Japans (LDP) sowie das Tennō-System kritisch sieht. Die Verdinglichung der Toten ist daher als zynische Replik auf die Kriegsrhetorik und das Bestreben der LDP, ein stehendes Heer wiederaufzubauen, zu verstehen. So verwundert es nicht, dass der Philosophiestudent gedanklich ein Zwiegespräch mit einem im Tank konservierten Deserteur der Armee hält, das ein pazifistisches Plädoyer darstellt: »Ihr Jungen müßt euch mehr um die Politik kümmern! Ihr seid es, die den nächsten Krieg beginnen werden! Wir Toten können nur noch zuschauen und kritisieren« (S. 36).

Antinatalismus aus dem Jahr 1958

Glich Stolz der Toten bis zum Zwiegespräch mit den ›stolzen‹ Toten bereits einem angejahrten Rotwein, so entwickelt sich das Werk im Verlauf der Lektüre zu einem Portwein, der schwer im Magen liegt – so niederschmetternd wirkt die Lektüre.

Die Anglistikstudentin, die eher eine Nebenrolle spielt, rückt plötzlich in den Mittelpunkt. Diese hat den unattraktiven Job des Leichenumlagerns deshalb gewählt, weil sie eine operative Abtreibung finanzieren möchte. Der eher emotionslose Protagonist verwehrt sich einer moralischen Wertung, während die Anglistikstudentin sich zu Sätzen wie »Die Verantwortung beim Gebären ist genauso schwer wie die bei einem Mord« (S. 43) hinreißen lässt. Ob sie sich nun für das Leben des Embryos oder für das Abtöten entscheide, ändere nichts am Umstand: »Das gibt eine Wunde, und mir bleibt die Narbe« (S. 44). Das Spiel mit mehrdeutigen Wörtern an dieser Stelle gelingt Ōe ganz ausgezeichnet – stehen die Wörter ›Wunde‹ und ›Narbe‹ doch stellvertretend für die physische, gesellschaftliche und psychische Stigmatisierung, die mit einer Schwangerschaft bzw. dem Abbruch dieser einhergehen. 

Ausgewogen, nahezu gleichberechtigt

Doch nimmt nicht nur die Frau eine antinatalistische Sicht ein, sondern auch der Verwalter. So beweist Ōe für seine Zeit nahezu revolutionär i(n Anbetracht des konservativen Rollenbilds Japans), dass die Entscheidung für Kinder auch schwer auf den Schultern des Mannes lastet. Der Verwalter hält den beiden Studierenden nämlich folgenden Monolog: »Daß jemand mit einem solchen Beruf nun einen neuen Menschen erzeugt haben sollte, war sonderbar. Mir war, als hätte ich etwas Überflüssiges getan. Weil ich ständig die Leichen vor Augen habe, kommt mir so manches sinnlos vor« (S. 58). 

Mit Stolz der Toten bietet Ōe eine kurze, morbide Erzählung, die thematisch breit gefächert ist und mit einer nahezu farblosen Sprache daherkommt, die sowohl den Toten als auch den Lebenden das verleiht, was ihr sowohl knallige Metaphern auf dem Papier als auch populistische Kriegsrhetorik von Politiker:innen nehmen würden: die Würde. 

Kenzaburō Ōe, Jahrgang 1935, ist ein japanischer Schriftsteller. Neben Kawabata Yasunari und Kazuo Ishiguro gilt er als einer der bedeutendsten japanischen Schriftsteller. Er erhielt 1994 für sein Lebenswerk den Literaturnobelpreis. Er ist unter anderem Träger des bedeutendsten japanischen Literaturpreises, des Akutagawa-Preis. Er lehnt den japanischen Nationalismus der LDP ab. Stolz der Toten erschien erstmals 1958 in der Zeitschrift Bungei shunju unter dem Originaltitel Shisha no ogori. Die hier rezensierte Version erschien 1969 im Fischer Taschenbuch Verlag, wurde von Margarete Donath und Itsuko Gelbrich übersetzt und umfasst 78 Seiten.
Sämtliche Rechte am Cover und an den Zitaten liegen beim Verlag bzw. bei dem Autor / den Übersetzerinnen.


Dominik | Liebt die Bücher von Roger Willemsen und Christopher Hitchens, Zartbitterschokolade und Mate. Inhaliert in freien Minuten Wikipedia-Artikel. Unterrichtet an einer kreativen Grundschule und wäre in einem anderen Leben Uhrmacher geworden.

Thin Places • Kerri ní Dochartaigh

Biografie, Politik

Angesichts des Ergebnis des Brexit-Referendums macht sich im Jahr 2016 Ratlosigkeit in vielen Ir:innen und Nordir:innen breit. Mit dem EU-Austritt steht auch der Frieden im Grenzgebiet auf der Kippe, da alte politische, ökonomische, weltanschauliche und geographische Konflikte so neuen Zunder bekamen. Meiner Wahrnehmung nach wird trotz des Friedensnobelpreises, der im Jahr 2012 warum auch immer an die Europäische Union verliehen wurde, gerne vergessen, dass besonders an den Grenzgebieten Europas, ob im Kosovo oder in Irland, der Frieden ganz besonders dünn und zerbrechlich ist – ähnlich wie die Flügel eines Schmetterlings.

Die Sprengkraft dünner Orte

Kerri ní Dochartaigh, geboren und aufgewachsen in Derry, einer Grenzstadt im Nordwesten Nordirlands, schildert in Thin Places ihre Lebensgeschichte und persönlichen Traumata des Nordirlandkonflikts. Sie ist eine selbstgrausame Schwimmerin: Selbst in der kalten Jahreszeit begibt sie sich ins äußerst kühle Nass. Dabei sinnt sie über die unsichtbare Grenze nach, die sie beim Schwimmen durchbricht. Im Niemandsland des Wassers gleitet Kerri ní Dochartaigh über die historischen Narbe Irlands und Nordirlands.

Das Wasser und die damit verbundene Grenze in Derry bezeichnet Kerri ní Dochartaigh als thin place, also einen Ort, der durch seine Geschichte, seine Natur oder die Bedeutung, die man ihm persönlich beimisst, derart ›ruhig‹ oder ›dünn‹ ist, »that you meet yourself in the still point« (S. XVI). Zunächst bleibt unklar, was Kerri ní Dochartaigh damit konkret meint oder ausdrücken möchte.

Scheinbar unüberwindbare Grenzen

Obwohl die nordirisch-irische Grenze erst ein Jahrhundert existiert, ist sie verantwortlich für unsagbares Leid auf beiden Seiten: »I remember standing on this same beach just after that vote and weeping, memories surging through my insides like hidden tributaries. No more, no more, no more – we have all had enough already, enough for many lifetimes« (S. XIII).
Doch die Grenze ist nicht nur als 310 Meilen umspannender roter Strich im Atlas sichtbar, sondern auch an der Herkunft der Autorin: Die Mutter ist katholisch, der Vater protestantisch. Die Grenze verläuft direkt durch die Blutlinie.

Die azyklischen Erzählungen der Autorin, die aus Berichten über den politischen Kontext des letzten politisch-religiösen Konfliktes auf europäischem Boden, persönlichen Begegnungen und Motten- bzw. Schmetterlings-Allegorien bestehen, tragen trotz ihres düsteren Themas eine durchschimmernde Hoffnung, eine bettelnde Zuversicht, die ich schwer in Worte fassen kann. So schildert Kerri ní Dochartaigh beispielsweise, dass sie sich in ihrer Jugend nach nächtlichen Unruhen und/oder Bombenexplosionen in ihrer Nachbarschaft darauf besann, was sich nicht ändert: die Natur sowie die Flammen brennenden Kaminholzes: »The flames had seemed almost to dance in time with the howling winds that were shoving the tress around outside, and I remember how comforted I felt by it, by the fact that the winds still howl, and that I still love them, despite it all« (S. 16).

Zwischen Persönlichem und Politik

Der Schmetterling ziert nicht nur den graphisch schön gestalteten Umschlag des Buchs, sondern auch leitmotivisch das Schreiben Kerri ní Dochartaighs. So folgt das Erzählen der Autorin einem Dreischritt: So berichtet sie zunächst, welche folkloristische Bedeutung Schmetterlinge in Irland haben (sie sind die Seelen der Toten), was dies für sie persönlich bedeutet (die Naturbeobachtung und Beschäftigung mit ihren Bewohner:innen war ihre Zuflucht vor der traumatischen Realität des Krieges) und an welche Stationen in ihrer Biografie sie das erinnert.

Nach ihrer traumatischen Jugend, die sie – so wie viele ihrer Mitschüler:innen – in die Depression trieb, verließ Kerri ní Dochartaighs so schnell wie möglich Derry, nur um dann festzustellen, dass es keinen Ort, keine Menschen gab, die ihre sichtbaren sowie unsichtbaren Narben heilen konnten. Alles in ihr zog sie mehr als ein Jahrzehnt lang immer wieder an den Ort ihrer Traumata zurück: nach Derry. Grund dafür seien die ›Spuren‹, die ihr Leben in der Natur Derrys hinterlassen hätten. Kerri ní Dochartaigh entwickelt nämlich einen metaphysischen Spiritualismus mit ihrer Annahme der ›dünnen‹ Orte. Sie schreibt: »I want us to hold part of those places within our bodies too – I want to believe that we are in this all together – that we are connected. I need to believe that the sea and the land – the places we have been shaped and held by – will show us how to live again, will remind us how to be« (S. 40). Kerri ní Dochartaigh stellt so die steile These auf, dass all der Hass, der zu Konflikten wie dem zwischen den Katholik:innen und den Protestant:innen führt, in der Entfremdung des Menschen von der Natur wurzele.

Keine Gute-Nacht-Lektüre

Trotz des wunderbaren Schreibstils Kerri ní Dochartaigh ist Thin Places kein Buch zur ungestoppten Lektüre. Überladen mit vielen Facetten, musste ich das Buch häufiger zur Seite legen. Ihr Debütwerk ist vor allem ein Buch über mentale Gesundheit und traumatische Kriegserlebnisse. So berichtet Kerri ní Dochartaigh, dass sich viele ihrer Freund:innen aus der Schulzeit aufgrund des Erlebten zu Tode tranken oder erhängten. Eine Gute-Nacht-Lektüre sieht anders aus.

Kontrastierend zu diesen bestürzenden Berichten wartet die junge Autorin mit wunderschönen Sätzen wie »We are reminded, in the deepest, rawest parts of our being, that we are nature. It is in and of us« (S. 54) auf. Diesen Gegensatz muss ich als Leser erstmal aushalten lernen. 

Thin Places hat mich überrascht und umgehauen. Trotz der Schwere des politischen Themas erzeugt die antagonistische Herangehensweise mithilfe des Nature Writing eine poetische Leichtigkeit, die manchmal eine Spur zu überraschend und zu fröhlich daherkommt.
Bei der Lektüre habe ich mich auch an einige ›dünne‹ Orte erinnern müssen. Orte, an die ich zurückgekehrt bin, um mich mit dem Verlust zu beschäftigen. Vielleicht drückt sich darin auch die Größe des Debüts Kerri ní Dochartaighs aus: Wer den Schmerz der Vergangenheit hinter sich lassen will, muss die Orte besuchen, an denen dieser Wurzeln schlägt. Ich kann das nächste Werk der Autorin kaum erwarten.

Kerri ní Dochartaigh, Jahrgang 1983, ist eine nordirische Schriftstellerin. Kürzere Beiträge veröffentlichte sie in The Guardian sowie The Irish Times. Ihr Debüt Thin Places stand auf der Shortlist für den Wainwright Prize, erschien bei Canongate Books und umfasst 272 Seiten.
Sämtliche Rechte am Cover und an den Zitaten liegen beim Verlag bzw. bei der Autorin.


Dominik | Liebt die Bücher von Roger Willemsen und Christopher Hitchens, Zartbitterschokolade und Mate. Inhaliert in freien Minuten Wikipedia-Artikel. Unterrichtet an einer kreativen Grundschule und wäre in einem anderen Leben Uhrmacher geworden.